Bei der Entwicklung einer Leiterplatte (PCB) ist die Dimensionierung der Bohrungen für Durchsteckbauteile einer der wichtigsten Aspekte. Die von Ihnen gewählte Bohrungsgröße wirkt sich direkt auf die Montagefreundlichkeit, die Zuverlässigkeit der Lötstellen und die allgemeine mechanische Stabilität des Endprodukts aus. Wählt man ein zu kleines Loch, kann das Einsetzen der Bauteile unmöglich werden, während ein zu großes Loch zu schwachen Lötstellen, schlechter elektrischer Leitfähigkeit und einer Fehlausrichtung der Bauteile führen kann. In diesem umfassenden Leitfaden werden wir uns eingehend mit den Feinheiten der Auswahl der optimalen Lochgröße für Ihre Durchsteckbauteile befassen, um einen einwandfreien Fertigungsprozess zu gewährleisten.

Grundlagen der Durchsteckmontage

Bei der Durchsteckmontage (THT) werden Löcher in eine Leiterplatte gebohrt und die Anschlüsse von Bauteilen wie Widerständen, Kondensatoren und integrierten Schaltkreisen durch diese Löcher geführt. Diese Anschlüsse werden anschließend an Pads auf der gegenüberliegenden Seite der Leiterplatte. Trotz der weit verbreiteten Nutzung der Oberflächenmontagetechnik (SMT) sind Durchsteckbauteile nach wie vor unverzichtbar für Anwendungen, die eine starke mechanische Verbindung oder eine hohe Belastbarkeit erfordern, oder wenn bestimmte Bauteile nur in Durchsteckgehäusen erhältlich sind. Die Zuverlässigkeit dieser Verbindungen hängt maßgeblich von der präzisen Berechnung und Festlegung der Lochgröße auf der Leiterplatte ab.

Wichtige Faktoren bei der Auswahl der Lochgröße auf Leiterplatten

Bei der Bestimmung der geeigneten Lochgröße auf der Leiterplatte für ein bestimmtes Bauteil müssen mehrere entscheidende Faktoren berücksichtigt werden:

  • Durchmesser oder Form des Bauteilanschlusses: Der entscheidende Faktor ist die Abmessung des Anschlusses des Bauteils. Anschlüsse können rund, quadratisch oder rechteckig sein. Die Bohrung muss groß genug sein, um die maximale Toleranz des Anschlusses aufzunehmen.
  • Beschichtungsdicke: Bei durchkontaktierten Löchern (PTH) bringt der Hersteller eine Kupferschicht (und in der Regel eine Oberflächenbeschichtung) auf die Innenwände des Bohrlochs auf. Diese Beschichtung verringert den effektiven Durchmesser des Lochs. Daher muss der Bohrer einen größeren Durchmesser haben als der endgültige, für das Bauteil erforderliche Lochdurchmesser.
  • Fertigungstoleranzen: Leiterplattenhersteller legen sowohl für den Bohrvorgang als auch für den Beschichtungsprozess bestimmte Toleranzen fest. Diese Toleranzen müssen in Ihren Berechnungen berücksichtigt werden, um sicherzustellen, dass das Bauteil auch im schlimmsten Fall immer passt.
  • Lötverfahren: Automatisierte Lötverfahren wie das Wellenlöten erfordern eine ausreichende Kapillarwirkung, damit das geschmolzene Lot durch die Bohrung nach oben fließen und eine feste Lötnaht bilden kann. Eine zu enge Bohrung kann diesen Fluss behindern, während eine zu lockere Bohrung dazu führen kann, dass das Lot vor dem Erstarren wieder ausläuft.

So berechnen Sie die richtige Lochgröße für Leiterplatten

Die Berechnung der richtigen Lochgröße für Leiterplatten erfordert eine systematische Vorgehensweise, um eine optimale Passform und Lötbarkeit zu gewährleisten. Befolgen Sie diese Schritte, um die richtigen Abmessungen zu ermitteln.

Schritt 1: Bestimmung des maximalen Achsabstands

Den maximal möglichen Durchmesser des Anschlussdrahtes (bzw. die Diagonale bei quadratischen/rechteckigen Anschlussdrähten) entnehmen Sie bitte dem Datenblatt des Bauteils. Verwenden Sie stets den vom Hersteller angegebenen maximalen Toleranzwert. Bei rechteckigen Anschlussdrähten (Breite W, Dicke T) berechnet sich die maximale Diagonale als √(W² + T²).

Schritt 2: Den Mindestabstand hinzufügen

Fügen Sie zum maximalen Anschlussabstand einen Sicherheitsabstand hinzu, um ein einfaches Einstecken und einen ordnungsgemäßen Lötfluss zu gewährleisten. Als Faustregel gilt, bei Stufe A (allgemeine Herstellbarkeit des Designs) 0,25 mm (10 mil) hinzuzufügen, 0,20 mm (8 mil) für Stufe B (mäßige Design-Herstellbarkeit) und 0,15 mm (6 mil) für Stufe C (hohe Design-Herstellbarkeit). Die Summe dieser Werte ergibt die erforderliche fertige Lochgröße (FHS).

Schritt 3: Berücksichtigung der Beschichtungsdicke (für die Bohrerdurchmesser)

Wenn Sie Ihrem Hersteller die Rohbohrgröße angeben müssen, addieren Sie die Beschichtungsdicke zu Ihrer berechneten Fertigbohrungsgröße hinzu. Eine Standardbeschichtung verringert den Bohrungsdurchmesser in der Regel um etwa 0,10 mm bis 0,15 mm (4 bis 6 mil). Daher gilt: Bohrgröße = FHS + Beschichtungszugabe. (Hinweis: Bei vielen modernen EDA-Tools müssen Sie lediglich die Fertibohrungsgröße angeben; die Fertigungsfirma berechnet dann den erforderlichen Überbohrungsbetrag.).

Schritt 4: Anforderungen an den Ringraum überprüfen

Stellen Sie sicher, dass die Kupferplatte um die Bohrung herum (der Ringraum) groß genug ist. Der Mindestringraum wird in der Regel vom Hersteller vorgegeben (z. B. 0,15 mm oder 6 mil). Der Durchmesser der Lötfläche sollte mindestens folgende Größe haben: Endmaß der Bohrung + (2 × Mindestringraum) + Fertigungstoleranz.

Die Bedeutung des Ringes

Die Ring ist der Bereich des Kupferpads, der das gebohrte und plattierte Loch umgibt. Ein stabiler Ring ist entscheidend für die strukturelle Integrität des Pads und für die Gewährleistung einer zuverlässigen Verbindung zwischen dem Bauteilanschluss und dem Leiterbahnen auf Leiterplatten. Wenn der Bohrer während der Fertigung leicht verrutscht (Bohrpositionsfehler), kann ein zu kleiner Ringraum dazu führen, dass das Loch über den Rand des Pads hinausragt. Dies kann zu Unterbrechungen oder unzuverlässigen Verbindungen führen. Informieren Sie sich stets bei Ihrem Leiterplattenhersteller über dessen Fertigungsmöglichkeiten, um die minimal zulässige Ringraumgröße zu ermitteln, und gestalten Sie Ihre Pads entsprechend.

Häufig gestellte Fragen

Was passiert, wenn die Lochgröße auf einer Leiterplatte zu klein ist?

Ist das Loch in der Leiterplatte zu klein, lassen sich die Anschlüsse der Bauteile nur schwer oder gar nicht einstecken. Das gewaltsame Einführen von Bauteilen in enge Löcher kann zu Schäden am Bauteil führen, die Beschichtung an der Innenseite des Lochs ablösen oder die Leiterplatte verbiegen.

Was passiert, wenn die Lochgröße auf einer Leiterplatte zu groß ist?

Ist das Loch in der Leiterplatte zu groß, sitzt das Bauteil bei der Bestückung möglicherweise nicht gerade. Zudem erschwert der große Abstand es dem Lötzinn, den Raum zwischen dem Anschluss und der Lötfläche durch Kapillarwirkung zu überbrücken, was zu schwachen oder porösen Lötstellen und einer mangelhaften mechanischen Stabilität führt.

Was ist der Unterschied zwischen NPTH und PTH?

Bei PTH (Plated Through-Hole) sind die Lochwände mit Kupfer beschichtet, wodurch elektrische Verbindungen zwischen verschiedene Schichten der Leiterplatte. NPTH (Non-Plated Through-Hole) weist keine Kupferbeschichtung auf und wird in der Regel für mechanische Befestigungslöcher oder Ausrichtungsstifte verwendet.

Schlussfolgerung

Die Kunst, die richtige Lochgröße für Leiterplatten zu wählen, ist eine grundlegende Kompetenz für jeden Hardware-Entwickler. Durch die sorgfältige Prüfung der Bauteil-Datenblätter, das Verständnis der Fertigungstoleranzen und die Befolgung bewährter Verfahren der Branche hinsichtlich Abständen und Ringräumen können Sie sicherstellen, dass sich Ihre Durchsteckbauteile reibungslos montieren lassen und über die gesamte Lebensdauer des Produkts hinweg zuverlässig funktionieren. Wenn Sie sich in der Entwurfsphase die Zeit nehmen, diese Maße genau zu berechnen, sparen Sie während der Fertigung und Prüfung enorm viel Zeit, Kosten und Frust.

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